Stadtgeschichte

 

Etwas über die Vergangenheit der Stadt

Szczecin hat eine Vergangenheit, die von mehreren Völkern und Kulturen beeinflusst wurde. Die Geschichte der Stadt begann um die Jahrhundertwende des VII. u. VIII.Jh., als auf dem heuti-gen Schloßhügel eine slawische Ortschaft und eine Burg war. Ende des X.Jh. wurde Szczecin zum Lehensgut des polnischen Fürsten Mieszko I, aber schon im 1005 gewannen die Pommerneinwohner wieder volle Unabhängigkeit. Zum zweiten mal gelang Szczecin unter polnische Einflüsse in den Zeiten von Bolestaw Krzywousty. In diesem Zeitraum führte der Bischof Otto aus Bamberg die christlichen Missionen in Pommern (1124/1125 und 1128). Der folgende Zeitraum der polnischen Lehensobrigkeit dauerte 60 Jahre lang (1121-1181).

In den Jahren 1184-1227 befand sich Szczecin zusammen mit Pommern unter der dänischen Macht. Gegen Mitte des XII. Jh. erschienen in Szczecin die ersten Deutschen, die sich in der Nähe des heutigen Altstädtischen Rathauses ansiedelten. 1187 stififtete für sie ein reicher Kaufmann Beringer aus Bamberg die St. Jakobikirche. Seit dieser Zeit datiert eine lebhafte Zuwanderung der deutschen Bevölkerung in die Stadt und Anstieg ihrer Bedeutung. Die schnell zunehmende deutsche Gemeinde saugte schon 1237 die alte slawische Stadt ein.

Die Stadtrechte gewann Szczecin im 1243, und die Szczeciner Burg wurde Fürstenstammsitz. Seit dieser Zeit begann die Stadt eine dominierende politische Rolle im Pommern zu spielen. 1272 wurde Szczecin Mitglied der Hanse.

In der Pommerngeschichte spielte eine große Rolle die Dynastie Gryfici. Sie bildete einen autonomen pommerschen Staat, und Vertreter dieser Dynastie regierten im Pommern über 500 Jahre (1121-1637). Das Fürstentum Pommern war ein Pufferstaat zwischen Polen, Brandenburg und dem Kreuzritterorden, und war zugleich das Lehen des Deutschen Reiches. Die Politik der pommerschen Herrscher war gegenüber den Nachbarstaaten während eines wesentlichen Zeitraums auf das Erhalten größtmöglicher und möglich langer Autonomie.

In der ersten Hälfte des XVII. Jh. kam es zum Schluß der Blühtezeit der Stadt und kurz danach folgte ein deutlicher wirtschaftlicher Bruch, vertieft durch die Folgen des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648). 1637 starb kinderlos Fürst Bogustaw XIV, der letzte aus der Gryfici-Dynastie auf dem Szczeciner Thron. Dem Westfälischen Vertrag gemäß, der in Osnabrück (1648) abgeschlossen wurde, wurde das bisher selbständiges Fürstentum Pommern unter Schweden und Brandenburg verteilt. Szczecin gelang mit dem wesentlichen Teil von Pommern in schwedische Hände. Während der 90 jahrelangen schwedischen Herrschaft in Pommern und in Szczecin machte sich ein deutlicher Niedergang der Stadt, des Hafens und des Handels bemerkbar.

Nach dem großen Nordkrieg, der mit dem Stockholmer Traktat 1720 endete wurde Szczecin zu Preußen angeschlossen, und erlangte den Hauptstadtstatus der Provinz Pommern. Die preußische Herrschaft machte Szczecin zu einem starken Militärzentrum, was durch riesige Verteidigungsbefestigungen merkbar war, die mit ihrer Fläche den Stadtumfang weit überlegten. Während der Napoleon-Kriege war die Stadt ein paar Jahre lang (1806-1813) eine wichtige französiche Festung. Der Aufenthalt von Franzosen verursachte einen wesentlichen Rückgang der Einwohnerzahl und führte die Stadt zum wirtschaftlichen Zerfall. Nach der Wiederkehr der Stadt zu Preußen begann zuerst die Werftindustrie wiedeaufzuleben, und die Stadt wurde nach und nach zu einem wichtigen Zentrum dieser Industrie im Preußischen Staat. Die preußische Herrschaft baute die Militärfunktion der Szczeciner Festung aus, was jahrelang ungünstig die städtebauliche Entwicklung der Stadt beeinflusste. Der ständige Zufluß der Landbevölkerung in die Stadt und die Entwicklung von Industrie und Handel verur-sachten, daß die Möglichkeiten der räumlichen Entwicklung Szczecin innerhalb der Festung schnell ausgeschöpft wurden. Mehrjährige Bemühungen der Stadtverwaltung die Befestigungen zu beseitigen wurden 1873 von einem Erfolg gekrönt, als man die Festen und Stadtmauer abzureißen begann. Seit dieser Zeit datiert sehr dynamischer Ausbau der Stadt. Die räumliche Entwicklung von Szczecin war damals ein klassisches Beispiel von geometrischem Städ~tebau, für den man als Grund sternartige Plätze mit dreieckigen Baugrundstücken angenommen hatte, auf denen neuklassizistische und sezesionistische Wohnhäuser und funktionelle öffentliche Gebäude erbaut wurden. Nächste wichtige Etappe in der räumlichen Entwicklung der Stadt begann um die Jahrhundertwende des XIX. u. XX. Jh., als das Anschlissen an Szczecin urbanisierter schon, bis jetzt selbständiger, anliegender Siedlungen und Städtchen erfolgte. Die Entwicklung war mit wesentlichem Ausbau der kommunalen Infrastruktur verbunden.

Am 26. April 1945 wurde Szczecin von der 65. Sowjetarmee erobert, und polnische Verwaltung hat die Stadt am 5. Juli 1945 übernommen. Während der Konferenz in Potsdam beschloßen die drei Großen Szczecin Polen einzuräumen. Während des zweiten Weltkrieges wurde die Stadtbebauung zu 60-70%, der Hafen mit Anlagen zu 70-80% und die Industrieanlagen fast zu 90% zerstört. Die meistbetroffenen Gebiete waren die an der Oder und im Stadtzentrum, darunter auch die ehemalige Altstadt. Die Größe der Kriegszerstörungen verursachte, daß Szczecin sich unter den 20 am meisten zerstörten Städten von damaligen Deutschland befand.