Hauptfriedhof
Der Hauptfriedhof ist mit seiner Fläche von ca. 170 ha einer der größten Friedhöfe Europas, für dessen Besichtigung bis zu mehreren Stunden Zeit benötigt werden.
Ursprünglich befand sich auf diesem Gebiet ein kleiner Militärfriedhof aus der Zeit des französisch-preußischen Krieges 1870-1871. Mit dem Bau des Hauptfriedhofs wurde im Februar 1900 begonnen. Gleichzeitig wurden auch erste, häufig exotische Bäume und Sträucher angepflanzt, was den Friedhof zu einem interessanten Park machte.
Zu den Sehenswürdigkeiten auf dem Friedhofsgelände gehören:
· neuromanisches Einfahrtstor mit den beidseitig symmetrisch anliegenden Arkaden und Seiteneingängen,
· Hauptkapelle, errichtet 1900-1905 im neuromanischen Stil,
· Ruine einer holländischen Backsteinwindmühle, vermutlich vom Ende des 19. Jh.,
· Denkmäler, u.a.: "Denjenigen, die von der See nicht zurückgekehrt sind", das Katyner Kreuz, Szczecin 1991, Felsblock gewidmet den Stalinismusopfern und viele andere
Vorschlag für eine Wanderroute
Entstehung des Friedhofs
Um die Wende des 19. und 20. Jahrhunderts ist die Zahl der Bevölkerung Stettins schnell gestiegen. Die überfüllten Kirchenfriedhöfe haben in der Verbindung mit der demographischen Explosion die Entscheidung über den notwendigen Bau eines neuen, großen Friedhofs beschleunigt. Die Entscheidung sollte mit der bereits bekannten Idee übereinstimmen, nach der Friedhöfe von den Städten in die Randgebiete verlegt wurden. Am Stadtrand wurden zwischen den Wegen nach Berlin und nach Pasewalk freie Gebiete ausgesucht. Die ersten Arbeiten begannen im Februar 1891, und die offizielle Eröffnung des Friedhofs fand am 6. Dezember 1901 statt. Die Kosten der Investition auf einer Fläche von 64 ha betrugen 3 Mio. Mark.
Die gesamte Anlage wurde von dem hervorragenden Stadtarchitekten Wilhelm Meyer–Schwartau (1854-1935) entworfen. Seine Grabstelle wurde auf dem Hauptfriedhof erst im Jahre 2000 entdeckt. 
Wanderroute – Dauer ca. 1-1,5 Stunden.
Die Wanderung beginnt an dem 1901-1903 erbauten neuromanischen Haupttor mit den symmetrisch beiderseits anliegenden Arkaden und Seitengängen. Im Inneren der Arkaden befindet sich ein Kreuzgewölbe. Der Klinkerstein, kreuzweise verlegt, steht im Kontrast zu den weißen Wänden. Ursprünglich war der mittlere Teil mit einer achteckigen Kuppel bekrönt, die während des Umbaus nach dem Krieg beseitigt wurde. Das Schieferdach wurde damals gegen keramische Dachdeckung ausgetauscht. In den Arkadenseitenflügeln wurden nach der Verbauung Blumenläden eingerichtet.
Auf den Fundamenten des zerstörten Ostflügels wurde ein Gebäude errichtet, in dem die Friedhofsverwaltungsräume und ein Saal, in dem bis 1994 Trauerzeremonien stattgefunden haben, entstanden sind.
Nach dem Überqueren des Tors gehen wir einige Meter nach links den Weg an einem Feldstein vorbei. Auf der rechten Seite befinden sich im Kreis aufgestellte Grabsteine in Form von Felsblöcken (früher war es einer von zwei runden Plätzen). Zwischen den Bäumen ist u.a. das aus rotem Sandstein errichtete Grabmal des berühmten Fleischers und Wurstwarenproduzenten Otto Freybe zu sehen. Vor uns liegt ein für die gegenwärtige Mode und Stil untypische Urnengrabstein der Familie Sołga, daneben der von einem Baum umarmte Grabstein der Familie May Rudolf.
Ca. 20 m weiter rechts finden wir einige interessante und untypische Grabmäler (u.a. Grabmal der Familie Robert Dittmer, George Katharine, einen namenlosen Grabstein mit schönen Verzierungen, ein Grabmal der Familie Stoewer Bernhard). Gleich daneben ist ein sehr charakteristisches großes (36 Kammern) Grabmal der Priester der Diözese Szczecin–Kamień Pomorski mit der Jesusfigur.
Weiter im Inneren des Friedhofs befindet sich eine sehr große, geschlossene Kolonnade der Familie Hentschel Adolph, Hentschel Auguste. Es ist ein Beispiel für ein majestätisches Urnengrab, eins der prächtigsten, die auf dem Zentralfriedhof erhalten geblieben sind, mit einem Motiv der Tür, die den Übergang von der Welt der Lebenden in die Welt der Toten symbolisiert. In den heute zugemauerten Nischen standen einst Urnen mit der Asche von Verstorbenen.
Wir gehen nicht weiter, sondern zurück zum Urnengrab der Familie Sołga.
Auf der linken Seite, gleich hinter dem Grabmal von Freybe, befindet sich ein Denkmal zum Gedenken der deutschen Soldaten des 357. Infanterieregiments. Das Erkennungszeichen ist der darauf sitzende Adler. An den Denkmalwänden sind Jahre und Orte zu sehen, wo es zu Schlachten kam, an denen die Soldaten beteiligt waren.
Daneben das Grabmal der Familie Muetzell Carl und ein Grabstein mit dem charakteristischen Eichenblatt ohne Inschriften.
Wir gehen geradeaus weiter und auf der rechten Seite, gleich am Weg finden wir einen schön verzierten Grabstein der Familie Hidrischedt-Ziegler. Auf der linken Säule ein Relief eines Mannes, auf der rechten einer Frau mit einem Kind auf dem Arm. Drei Reihen tiefer, in der Hecke, ist der Grabstein des bekannten Stettiner Literaten Franciszek Gil verborgen.
Wir gehen weiter entlang des Haupttors zwischen den modernen Gräbern bis zum Ende des Weges. Gleich sind erste Grabköpfe zu sehen, die im Lapidarium aufgestellt sind. Wir biegen rechts in den Pfad ein, der schon bald zum Hauptweg in dem entstehenden Lapidarium wird. Nach einigen Metern ist die vor kurzem hierher verlegte Stele von Johanna und Hermann Haken zu sehen. Haken war jahrelang Oberbürgermeister Stettins. Ihm sind u.a. die Hakenterrassen (heute Wały Chrobrego) und das Kreisverkehrsystem zu verdanken. In seiner Amtszeit sind solche Stadtviertel wie Pomorzany, Turzyn, Łękno, Niebuszewo entstanden. 
Hinter der Brücke sehen wir auf der linken Seite einen Felsblock – Naturdenkmal, und etwas weiter den Grabstein von dem 1916 verstorbenen Dr. Georg Michaelis, dem berühmten Befürworter der Kremation, dem Vorsitzenden der Gesellschaft zur Förderung der Brandbestattung. Seinen Grabstein schmückt die sich windende Äskulapschlange. Auf der rechten Seite eine von vier erhaltenen, halbkreisförmigen dorischen Kolonnaden. Es ist ein anonymes Denkmal, das im Denkmalschutzregister eingetragen wurde. Gleich daneben befindet sich ein liegender Betongrabstein von Gertrud Ziegen-Ruecker, sehr charakteristisch, weil seine einzige und zugleich größte Verzierung einfache gewölbte Buchstaben sind. Es ist die einzige Form dieser Art auf dem ganzen Friedhof. Es gibt auch keinen ähnlichen Grabstein auf allen Friedhöfen in Polen.
Vor uns befindet sich das schon erwähnte Zentrum des Lapidariums mit einem kleinen Brunnen, den von Thujahecken umrandeten Pfaden, Bänken und vielen erhaltenen Grabsteinen, die an ihren ursprünglichen Plätzen stehen. Im Lapidarium lässt sich u.a. an dem Grabstein der Familie Leonhardt nicht gleichgültig vorbeigehen, dessen Form an eine Muschel erinnert.
Wir gehen den Pfad hinunter, wo wir am Rande des Quartiers 44F eine im Busch verborgene, mit Eiben umhüllte modernistische Grabstele aus den 30er Jahren mit dem stilisierten Pflügerrelief suchen. Unten wurde die Inschrift „Randolf” eingraviert.
Wir gehen die ganze Zeit geradeaus bis zum Abstieg von der Anhöhe, dann biegen wir nach rechts ab und nach einigen Metern sehen wir schon das auf dem Kreisplan angelegte Quartier von Verdiensteten, das an der Stelle des ehemaligen Urnenhains entstanden ist. Die Gräber wurden in zwei Reihen um das Zierbecken angelegt, das derzeit außer Betrieb ist. Hier wurden einhundertvier verstorbene bekannte Aktivisten, Schifffahrtkapitäne, Professoren, Rektoren und Publizisten bestattet, u.a: Janina Szczerska, Direktorin des I. Allgemeinbildenden Lyzeums in Szczecin, Guido Rek, Maler, Jerzy Wolszczan, Wirtschaftswissenschaftler, Bolesław Rąbczyński, Kapitän der Hochseeschifffahrt, Konstanty Maciejewicz, langjähriger Direktor der Staatlichen Schifffahrtsschule in Szczecin und der Schriftsteller Gwidon Kamiński.
Wir gehen zum Quartiereingang zurück und weiter in der Richtung der breiten Treppe, die zur Kappelle und zum Krematorium führt. Wir biegen links ab und auf der rechten Seite sehen wir zwei Reihen von Gräbmalen aus den 20er Jahren. Sie wurden 2004 ausgegraben und an den Plätzen aufgestellt, wo sie vor Jahren gestanden haben.
Wir gehen weiter, biegen rechts ab und gehen bis zum Hügel, auf dem ein Sockel aus einer Imitation des rosaroten Sandsteins, das Denkmal von Wilhelm Meyer-Schwartau zu sehen ist. Der Grabstein erinnert auch an seinen Vater, seine Frau und zwei im 1. Weltkrieg gefallene Söhne. Dieser Stadtarchitekt hat nicht nur den Friedhof, sondern u.a. das Magistratsgebäude (heutzutage Rektorat der Pommerschen Akademie für Medizin) und das Gebäude des Allgemeinbildenden Lyzeums Nr. 1 entworfen. Meyer-Schwartau haben wir auch das Konzept der Hakenterrassen zu verdanken. Die monumentale Stele wurde 2002 durch Zufall ausgegraben. Vor einem Jahr restauriert, ist sie von zahlreichen Motiven wie Krone, Zepter, Schwert und Sensen verziert.
Wir gehen zurück und dann zum Ende des Weges, biegen rechts ab und gleich auf der rechten Seite sehen wir die von Meyer-Schwartau entworfene Kapelle, die in den Jahren 1900-1902 (zwei Jahre nach der Friedhofseröffnung) erbaut wurde. Es ist das schönste vom Architekten des Friedhofs entworfene Gebäude. Die Lage auf dem Hügel betont zusätzlich die Erhabenheit und Pracht der Kapelle, die die Kriegszeit unversehrt überstanden hatte. Es gibt hier drei Schiffe zum Abhalten von Trauerzeremonien – das größte mittige und 2 symmetrische Seitenschiffe.
Die Kappelle ist mit einer hohen Kuppel, abgeschlossen mit einem kronartigen Helm, abgedeckt. In der ursprünglichen Version war der Innenraum der Kappelle schön mit Wandmalereien mit Blumenmotiven verziert. Im hinteren Teil der Kappelle funktionierte einst die Leichenhalle. 1925 wurde hier ein Krematorium angebaut, das bis 1944 in Betrieb war. Während der Kappellenrenovierung Ende der 80er Jahre wurden die Krematoriumsöfen demontiert. Erst 2004 wurde mit dem Wiederaufbau des Krematoriums begonnen. Die Eröffnung fand am 17. Januar 2004 statt. Innerhalb von ersten 10 Monaten wurden 482 Kremationen durchgeführt. Zur Zeit finden über 80 Kremationen im Monat statt.
Die ganze Zeit gehen wir geradeaus in die Richtung des Haupttors, entlang der Platanenallee, die das Haupttor mit der Kappelle verbindet. Wir biegen in die erste Allee links ein und kommen zur Stelle, wo alte Grabsteine aufgestellt sind. In dieser Gruppe zeichnet sich der Felsblock „Pamięci zmarłych Szczecinian” aus, das auch mit der Inschrift in deutscher Sprache: „Zum Gedenken an die Toten der Stadt Stettin” versehen ist. Das Denkmal wurde von den ehemaligen Einwohnern unserer Stadt zum Gedenken der bis 1945 verstorbenen Stettinern aufgestellt. Demnächst finden wir hier u.a. die Büste des ersten Friedhofdirektors Georg Hannig, Gräber der Familie Lemcke, und Gustaw Topflers, des Industriellen und Eigentümers der Kreidegrube in Zdroje.
Wir gehen geradeaus weiter und biegen links in die Allee ein. Auf der rechten Seite sehen wir eine Granittafel mit einfacher Form zum Gedenken der gefallenen Soldaten der 1. Armee des Polnischen Heers und eine von zwei Kanonen, die sich auf beiden Seiten des Eingangs zum Kriegsquartier befinden. Danach gehen wir die rechte Treppe hoch.
Hier befindet sich das Kriegsquartier. Auf der rechten Seite sehen wir das Orthodoxe Kreuz, aufgestellt 1994, mit einem Zitat aus dem Johannes-Evangelium in der altkirchenslavischen Sprache, die auf Deutsch lautet: „Es gibt keine größere Liebe als diese, wenn jemand sein Leben für seine Freunde opfert”.
Das Kriegsquartier entstand einige Jahre lang, weil die Exhumierung der Soldaten so lange gedauert hat. Hier wurden 367 polnische Soldaten, darunter 203 unbekannte, und 2586 sowjetische Soldaten – insgesamt 3379 in Kämpfen um die Befreiung der Stettiner Region gefallene Soldaten begraben. Unter ihnen befinden sich Soldaten gefallen in 20 Ortschaften der ehemaligen DDR, in Szczecin, Nowogard, Łobez, Pyrzyce und Goleniów. Das Kriegsquartier ist einer der schönsten Plätze auf dem Zentralfriedhof.
Wenn wir hoch gehen und das Wasserbecken und die Kappelle hinter uns lassen, finden wir uns gegenüber einer Eibenhecke, auf deren Verlängerung wir das 1967 aufgestellte, monumentale Waffenbrüderschaftsdenkmal des bekannten Stettiner Bildhauers Stanisław Lewiński sehen. Das Denkmal stellt zwei „V”-Buchstaben (Victory - Sieg) dar, die zu Lanzenreiterflügeln stilisiert sind. Das eine V sollte den Sieg der polnischen Armee und das andere den der sowjetischen symbolisieren. An dem Denkmal befindet sich eine Tafel mit dem Stadtwappen Szczecins und dem Datum vom 26. April 1945. Von hier aus verbreitet sich ein wunderschöner Ausblick auf den Kriegsfriedhof und die Kappelle.
Am Ausgang aus dem Kriegsquartier biegen wir rechts in die Okólna-Allee ein. Nach etwa 200 m sehen wir auf der rechten Seite das Denkmal „Für diejenigen, die von der See nicht zurückgekehrt sind”. Es stellt stürmische Meereswellen mit einem zentral angebrachten Kreuz in Form eines Mastes, umrankt von Wasserpflanzen dar. Es ist ein symbolisches Denkmal für diejenigen, die auf See umgekommen sind und deren Leichen nie gefunden wurden. An der Mauer neben dem Monument sind Tafeln mit Namen verstorbener Seeleute und ziviler Opfer, sowie mit Schiffsnamen befestigt.
Wir gehen ein Stück weiter und gegenüber unserem Weg sehen wir das Katyner Kreuz, das hier zum Gedenken der Offiziere aufgestellt wurde, die auf Befehl Stalins in Katyn, Miednoje und Charkow ermordet wurden. Hier wurden drei Urnen mit Erde eingemauert. In dem zentralen Teil wurde ein eingeschossener Adler - das Adlersymbol von den Mützen der ermordeten Gefangenen angebracht. Zu Füssen des Denkmals befinden sich 3 Findlinge mit Tafeln, auf denen die Namen der Lager eingraviert wurden: Kozielsk, Ostaszków, Starobielsk. Auf der Nordseite befindet sich eine kleine Mauer mit den Namen von Ermordeten. Hinter dem Kreuz kann man auf der linken Seite im Gebüsch einige interessante Grabsteine aus den 20er Jahren finden, u.a. eine Skulptur von einer Frau mit Kind auf dem Arm (oft Pieta genannt, da sie an das Bildnis der Mutter Gottes mit dem Jesuskind erinnert). Es ist das Grabmal der Familie Meister.
Weiter gehen wir die Okólna-Allee in der Richtung des Haupttors. Auf der linken Seite befindet sich ein weiteres Andenken des polnischen Märtyrertums, das Denkmal der nach Sibirien Deportierten. Außer einem Fragment Bahnschiene mit Felsblock (die an den Abtransport nach Osten erinnern soll) gibt es hier auch eine Tafel, die an diejenigen erinnern soll, die von der Taiga, aus Sibirien, aus den Nordlagern und aus den Steppen Kasachstans nicht zurückgekehrt sind. Auf der gegenüberliegenden Seite steht eine Mauer mit Ortschaften und Namen von verstorbenen Deportierten.
Gleich daneben befindet sich der Grabstein der Familie Kissling Herman mit einer Inschrift in der deutschen Sprache „"WIRKE SO LANGE ES TAG IST. ES KOMMT DIE NACHT DA NIEMAND WIRKEN KANN".” An den seitlichen Pfeilern zwei nackte Gestalten, die das männliche und weibliche Element symbolisieren. Das in der Achse aufgestellte Segment der Säule bedeutet (ähnlich wie die gebrochene Säule) den Tod.
Näher am Eingangstor – das letzte von den deutschen Grabmalen – das Grabmal der kaufmännischen Familie Papenbrock mit Putten, die auf beiden Seiten des Sarkophags Girlanden halten. Gleich daneben das Denkmal „Zu Ehren der Opfer des Stalinistischen Völkermordes”, gewidmet den Opfern der Verbrechen in den Jahren 1939-1956. Damit beenden wir unseren Spaziergang durch den Zentralfriedhof.
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